Die Knapper Straße ist nicht unser größtes Sorgenkind
Der angedachte Verkehrsversuch in der Lüdenscheider Knapper Straße wird derzeit heftig diskutiert. Dringendere Problemfelder für Radfahrende sind aber an anderen Stellen.

„Versuch macht klug“
Mit Interesse hat die Lüdenscheider Ortsgruppe des ADFC von der Stellungnahme der CDU zum Verkehrsversuch durch den Bericht in den Lüdenscheider Nachrichten (LN) vom 3. Januar 26 erfahren. Grundsätzlich freuen wir uns über die berichteten Ziele des Versuchs der städtischen Verkehrsplaner im Rahmen des Fahrrad- und Mobiltätskonzepts zu der „Verbesserung der Erreichbarkeit im Nahbereich und Erhöhung der Aufenthaltsqualität“. Schließlich wird im Fahrrad– und Nahmobilitätsgesetz des Landes NRW ein Radverkehrsanteil von 25 % angestrebt. Verwaltung und Lokalpolitik sind gemeinsam aufgefordert, dies zu verwirklichen. Von verbesserter urbaner Lebensqualität profitieren inzwischen immer mehr Städte weltweit, die den Nutzen des Verkehrswandels erkannt haben.
Etwas erstaunt sind wir aber darüber, dass die CDU bereits eine Meinung zum bereits beschlossenen Verkehrsversuch kundtut, obwohl die Details hierzu nach Rücksprache mit der Verwaltung noch gar nicht feststehen. Das erschwert die sachliche Auseinandersetzung. Seitens der Stadtverwaltung, Fachbereich Radverkehrsplanung, wurde uns schriftlich bestätigt, dass von mehreren Optionen der Verkehrsversuchs derzeit noch gar keine Variante gewählt wurde. Eine versuchsweise Sperrung für den motorisierten Individualverkehr während des Versuchs ist also keinesfalls entschieden. Mut zur proaktiven Veränderung und Versuche statt langwieriger hypothetischer Diskussionen halten wir für ein gutes Mittel.
Klar ist aber auch: Die Knapper Straße ist nicht unser größtes Sorgenkind.
Dies begründet sich durch das inzwischen 20 km/h Tempolimit und das faktische Überholverbot mit den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestüberholabstand von 1,50 m zu Radfahrenden.
Hingegen äußerst dringenden Handlungsbedarf sehen wir beim Bau von geeigneter Radverkehrsanlagen an den Hauptstraßen der angestrebten Nord-Südachse des Mobilitäts-Konzeptes.
Hier sind Radfahrerinnen täglich gefährlichen Situationen und Unfallrisiken ausgesetzt. Fußgängerwege mit Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ sind keine Lösungsform der Nahmobilität, da Radelnde hier maximal Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen und somit nur ein Behelf in absoluten Ausnahmenfällen.
Im weiteren LN-Bericht favorisiert der CDU-Abgeordnete als Alternative zu einer geänderten Verkehrsführung in der Knapper Straße die Freigabe der Busspur in der Weststraße für den Radverkehr. Dies begrüßen wir als ADFC ausdrücklich. Schließlich fordern auch wir die Freigabe der Busspur seit langer Zeit ein. In Fortführung dieser Route regen wir an, eine kombinierte Bus-/Radspur über den Sauerfeld bis zur Kreuzung Freiherr-vom-Stein-Straße zu verlängern. Auch wenn dies nicht die Optimallösung sein wird, ist sie aber schnell mit geringem Aufwand als Übergangslösung umsetzbar. Bis ein detailliertes Verkehrskonzept im Bereich Sauerfeld für den Radverkehr geplant und realisiert ist, dürften noch Jahre vergehen.
Im Zuge der Neuplanung des Forum-Areals sollte dann auch eine Querung des Sauerfelds zum Sternplatz durch den bestehenden Tunnel für den Radverkehr mitgedacht werden. In der Zwischenzeit verbessert die Umweltspur den Weg in die Innenstadt voraussichtlich erheblich. Ein sogenannter temporärer Pop-Up-Radweg während der Aktion „Stadtradeln“ könnte sachliche Erkenntnisse über die Eignung bringen.
Ganz nach dem Sprichwort: Versuch macht klug!