Stellungnahme zum Mobilitätskonzept der Stadt Lüdenscheid - ADFC Lüdenscheid

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Lüdenscheid

Stellungnahme zum Mobilitätskonzept der Stadt Lüdenscheid

Im Jahr 2025 beschloss Lüdenscheid das Mobilitätskonzept. Unter neuer politischer Zusammensetzung sind wir von der Umsetzung weit entfernt. Der Bau- und Verkehrs-Ausschuss behält sich vor, über jede einzelne Maßnahme abzustimmen

„Wie bewegen sich die Menschen in Lüdenscheid fort? Wie lässt sich Mobilität in Lüdenscheid zukünftig nachhaltiger entwickeln? Mit der Zielsetzung, die künftige Verkehrsplanung noch besser auf die Bedürfnisse der Bürger*innen auszurichten und unter anderem den Radverkehr zu stärken, hat die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro LK Argus aus Kassel ein Mobilitäts- und Radverkehrskonzept für Lüdenscheid entwickelt. Nach einer Analysephase ist unter Beteiligung der Öffentlichkeit und der Politik ein gesamtstädtisches Leitbild für die zukünftige Mobilität entstanden.“ schreibt die Stadt Lüdenscheid auf ihrer Website :

2025 ist noch in der Zusammensetzung des alten Rates das Mobilitätskonzept für die Stadt Lüdenscheid beschlossen worden. 

Das Mobilitätskonzept wurde Im Wesentlichen vom von der Stadt beauftragten Planungsbüro LK Argus, das viel Erfahrung in Verkehrsplanung und Radverkehr in anderen Kommunen gewonnen hat, für viel Geld erstellt. Leider sind vom Mobilitätskonzept nur 5 Leitprojekte (kurz: LP) übriggeblieben (Vgl S 24ff Kurzbericht Mobilitätskonzept), auf die man sich fokussieren möchte. Das sind die folgenden sogenannten Leitprojekte (LP):

LP 1

Planung und Einrichtung der Fahrradverbindung Nord-Süd-Achse, also quasi ein durchgehender Radweg von der Dönne zum Versedreieck. Hier ist in jedem Fall Straßen NRW im Boot. Die genaue Routenführung und wie dort der Radverkehr realisiert werden soll, ist natürlich sehr komplex. Nach Aussage der Verwaltung wird daher die Planung noch viel Zeit, vermutlich Jahre, benötigen. Um das zu beschleunigen, bringen wir als ADFC gerne unsere Praxiserfahrung ein, indem wir uns gerade ebenfalls als Ortsgruppe konkret damit beschäftigen. Ein erster Vorschlag für einen Teil ist von uns bereits an die Verwaltung geleitet worden. Die Finanzierung ist hier durch das Sonderprogramm Südwestfalen zumindest teilweise geklärt. Außerdem ist auch Straßen NRW gesetzlich gehalten, bei jeder Sanierung zu prüfen, ob Fahrradwege möglich sind. 

LP 2

Verkehrsberuhigung Knapper Str. mit Erhöhung der Lebensqualität. Hier ist leider durch eine schädliche öffentliche Diskussion von Vorschlägen, deren Umsetzung so noch gar nicht beschlossen ist, viel Porzellan insbesondere durch die Presseinterviews zerschlagen worden. Für uns als ADFC können wir gut mit der derzeitigen „Tempo-20-Zone“ leben. Eine Aufwertung der Knapper Str. ist sicherlich wünschenswert, insbesondere hinsichtlich Aufenthaltsqualität. 

LP 3

Parkraummanagement – „Außen stehen, Innen gehen“, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erhöhen. Bei der Haushaltsbefragung von LK Argus ein favorisierter Punkt! Das bedeutet aber auch, dass der Verkehr stärker kanalisiert werden muss. Da bietet sich ein P&R-System z.B. am Nattenberg an, das durch eine kleine, vom Bürger gewünschte Citybuslinie (siehe Haushaltsbefragung LK Argus) durch den Hasley angebunden werden könnte. Diese Idee wird vermutlich angesichts leerer Kassen und defizitärer MVG dem Rotstift zum Opfer fallen.

LP 4

Dynamisches, digitales Parkleitsystem – kein Thema des ADFC

LP 5: 

Schülerverkehr: Gewünscht wird die Optimierung des Busverkehrs und „…Zusätzlich sollte die Attraktivität zur Nutzung des Fahrrades gesteigert werden. Dazu zählen …. die Stärkung des Bewusstseins für die Verkehrsmittelwahl……“ Zudem können Eltern dabei unterstützt werden einen „Bici-Bus“ oder „PediBus“ zu initiieren. Dabei fahren beziehungsweise gehen Kinder, meistens unter der Aufsicht einzelner Elternteile, als Gruppe gemeinsam zur Schule. Sie gelten dabei als geschlossener Verband und haben die Verkehrsrechte eines einzelnen Fahrzeugs. Während des Weges können auch Teilnehmer zur Gruppe hinzustoßen oder sich von dieser trennen. (Vgl S. 35ff Kurzbericht Mobilitätskonzept s. Anlage). Dafür möchten wir gerne zusammen mit dem Verein „Nachhaltig Leben in Lüdenscheid“ einen Testlauf bei einer Schule initiieren. Wünschenswert wäre auch hier die politische Unterstützung.

Werden also vernünftige gefahrlose Radwege ausgewiesen, könnten hier zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, denn „Wer Radwege sät, wird Radfahrer ernten“

Ein Jahr später ist die Zusammensetzung des Rats durch die Kommunalwahlen im Herbst 2025 inzwischen eine andere. Erste konkrete Vorschläge zur Nord-Süd-Achse, etwa an der Herscheider Landstr. an der Höh/Kreuzung Paulmannshöher Str. wurden durch die Verwaltung inzwischen in den Bau- und Verkehrsausschuss eingebracht. Der Ausschuss behält sich vor, über jede einzelne Maßnahme des Mobilitätskonzepts abzustimmen. Schon bei der oben genannten relativ kleinen Maßnahme wurde klar, dass die Gefahr besteht, dass das Mobilitätskonzept durch das Vorbringen mehr oder weniger stichhaltiger Argumente zerredet, die Maßnahmen abgelehnt oder auf unbestimmte Zeit verschoben werden oder bedingt durch die Sparvorgaben der Stadt gestoppt. Wir setzen uns als ADFC zwar für die Realisierung ein, sind als sachkundige Einwohnerin ohne Stimmrecht im Bau- u. Verkehrs-Ausschuss vertreten und stehen in regem Kontakt mit Parteien und Verwaltung, jedoch sind unsere Mittel begrenzt. Durch ständiges Nachbohren und Einfordern versuchen wir, die Meinungsbildung der Parteien zu beeinflussen und hoffen, dass hier „stetige Tropfen den Stein höhlen“. 

Sollten sich die Planungen über Jahrzehnte hinziehen, sind die vom Planungsbüro erhobenen Daten nicht mehr valide und die Kosten dafür, die Bürgerbeteiligungen und der Verwaltungsaufwand vergeudet. Entspricht das einem wirtschaftlichen Handeln?

Wofür stehen wir? Wir versuchen zu vermitteln, dass wir keine Feinde der Autofahrer sind (in der Regel ist der Großteil von uns ebenfalls Autofahrer). Wir möchten als Radler jedoch als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden (Zahlreiche Diskussionen im Verkehr zeigen, dass hier sich noch viel in den Köpfen tun muss). Jeder Radfahrer, der dafür seinen PKW stehen lässt, ist einer weniger im täglichen Stau und entlastet damit die anderen. Die Haushaltsbefragung vom von der Stadt beauftragten Planungsbüro LK Argus ergab, dass über 60% der zurück gelegten Wege in Lüdenscheid kürzer als 5 km sind und haben damit großes Potenzial, mit dem Rad zurückgelegt zu werden. 

Durch unsere politische und Öffentlichkeitsarbeit ist es uns inzwischen gelungen, stadtbekannter zu werden. Wünschenswert wären weitere Mitglieder, die sich einbringen und uns unterstützen, um Lüdenscheid zu einer lebenswerteren und leiseren Stadt zu wandeln.


https://luedenscheid.adfc.de/neuigkeit/stellungnahme-zum-mobilitaetskonzept-der-stadt-luedenscheid

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